Jeden Mittwoch gibt es im Schwäbischen Tagblatt das Format „Mittwochspalte“. Hier schreiben die Fraktionen des Gemeinderats, die Stadtverwaltung, aber auch der Jugendgemeinderat im wöchentlichen Wechsel. In dieser Woche wurde die Mittwochspalte von Tin Franjkovic und Emilia Vogel über den Schulstreik zur möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht:
Am 6. März 2026 kam es in der Uhlandstraße während der Schulzeit zu einer Anti-Wehrpflicht-Demonstration, ausgerufen durch das Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“. Es versammelten sich mehrere Hundert Menschen, hauptsächlich Jugendliche, um gegen eine mögliche Wehrpflicht zu protestieren. Durch den Angriff Russlands auf die Ukraine rückte das Thema einer bindenden Wehrpflicht, stark unterstützt durch die Regierungspartei CDU, wieder in den Mittelpunkt politischer Debatten. Auch den Jugendgemeinderat beschäftigt dieses Thema. Bei vielen Jugendlichen stößt die Idee der Wiedereinführung einer reinen Wehrpflicht auf negative Resonanz.
Die jungen Demonstranten äußerten sich bei einem Interview des SWR mit klaren Meinungen, warum sie die Wehrpflicht ablehnen. „Wir fühlen uns nicht gehört, weil die Wehrpflicht genau die Generation betrifft welche bei der Bundestagswahl nicht wählen durfte“, äußerte sich ein Mädchen. Jedoch wird auch gezweifelt: „Ich weiß nicht, ob wir wirklich viel Aussagekraft haben gegenüber dem Kanzler oder der Politik der CDU.“
Trotz dem Ernst des Themas blieb die Stimmung weitestgehend positiv: Die Schüler zogen enthusiastisch durch die Straßen Tübingens. Weniger enthusiastisch wirkt hingegen die Reaktion der Schulleitung eines Tübinger Gymnasiums; diese bezeichnet die Demonstration in einen Elternbrief an die gesamte Schulelternschaft als einen „wilden Mix aus ideologisch gefärbten wirren Vorstellungen“. Dies stieß bei der Schülerschaft allgemein auf Empörung, denn auf den hier entstanden Wunsch der Schülerschaft nach demokratischer Teilhabe wurde mit einem Brief an die Eltern über den Kopf der Schüler hinweg eine Botschaft gesendet, die im Widerspruch zum politischen Bildungsauftrag steht. Stattdessen hätten wir erwartet, dass die Schulleitung diesen Impuls wahrnimmt und zu dieser konkreten Debatte breit gefächerte, differenzierte Informationen bereitstellt.
